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Der Platz des Hundes


„Der Platz des Hundes“- Laudatio für die Autorin Anna Weidenholzer anlässlich ihrer Buchpräsentation im Grand Cafe „Roter Krebs“ in Linz.

21.1.1984 – Am Bochumer Schauspielhaus wird das Stück „Der Schein trügt“ von Thomas Bernhard uraufgeführt. Unter der Regie von Claus Peymann spielen Bernhard Minetti und Traugott Buhre. Am selben Tag, 900 km entfernt in Bernhards Heimat, genauer gesagt in Linz, stößt an jenem sonnigen Samstag im Jänner des George Orwell Jahres Anna Weidenholzer zur Weltgemeinschaft. Sie wächst als drittes Kind, geliebt, gefördert und behütetet in der oberösterreichischen Hauptstadt auf. Die Eltern Inge und Josef, sowie die Brüder Simon und Florian bilden die fast komplette Familie Weidenholzer und das Leben.

„Ein Leben ohne Hund ist ein Irrtum“, meinte Anna und der Schriftsteller Carl Zuckmayer stimmte zu. Im Kindergarten Alter kam mit „Aram“ der erste Hund ins Haus. Danach folgten „Miko“ und „Mona“.

Alle samt Musen auf vier Pfoten. Wie Bauschan, der Hühner- und Lieblingshund von Thomas Mann. Über diese besondere Liebe zwischen Hund und Mensch erfährt man mehr, wenn man, Manns Buch „Herr und Hund. Ein Idyll“ liest. Als sein „Bauschan“ starb beantwortete Thomas Mann die Beileidsschreiben persönlich.

Apropos sterben;

Hunde, wollt ihr ewig leben“ diese Frage von Fritz Wöss beantworteten „Aram“ und „Miko“ bereits mit Nein. Die Mischlingsdame Mona hingegen begleitet seit langem den Werdegang Annas. Sie sah die noch junge Anna lesen und schreiben, erahnte instinktiv Talente, beschnüffelte Erstlingswerke. Friedensgedichte und Reiterhofgeschichten.

So zusagen „bei Fuß“ bekam sie mit wie Anna auszog um das Leben zu inhalieren, und zu studieren. Vergleichende Literaturwissenschaft und Slawistik in Wien und Presslau. Mona staunte nicht schlecht als Anna die Lesebühne „Linzer Worte“mitbegründete, als sie die Leondinger Akademie für Literatur absolvierte, als sie in Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlichte. Immer dabei Mona, wie Zeus und Apollo, die beiden schönen Wachhunde aus der Fernsehserie „Magnum“.

Apropos Schönheit,

Sam, der blinde chinesische Schopfhund aus Santa Barbara, wurde dreimal in Folge zum hässlichsten Hund der Welt gewählt wurde. Herzlichen Glückwunsch!

Apropos Glückwunsch;

Oftmals lauschte Mona Laudatoren und wedelte applaudierend mit dem Schwanz wegen der vielen Auszeichnungen die Anna in ihrer jungen Karriere bereits bekam. U.a. den Marianne von Willemer Anerkennungspreis, das Kunstförderungsstipendium der Stadt Linz, den Alfred-Gesswein-Preis, oder das Startstipendium des Bundesministeriums für Unterrricht Kunst und Kultur. Wau, wau, wau; und nun erscheint also ihr Erzählband „Der Platz des Hundes“. Begibt man sich wie Sherlock Holmes auf die Fährte um diesen Platz ausfindig zu machen so stößt man schnell auf „Baskerville“, auf Film, auf Geschichte, auf Literatur.

Apropos Literatur,

Denken wir an Argos, er ist im Epos der Odysse von Homer der Jagdhund des Odysseus. Der Hund soll im Palast von Ithaka 20 Jahre auf die Rückkehr von Odysseus gewartet haben. Als einziger erkannte der Hund seinen Herrn bei dessen Ankunft. Der Hund lag altersswach und voller Ungeziefer auf einem Misthaufen und starb nachdem er Odysseus begrüsst hatte.

Denken wir an Charley, den Pudel. Sein Herrchen John Steinbeck, wurde durch die Geschichte „Meine Reise mit Charley“, bekannt.  Daffi hingegen, eine West Highland Terrier Hündin ist mit Thomas Brezina liiert und inspiriert ihn zu immer weiteren Kindergeschichten.

Arthur Schopenhauer, Philosoph, Fortschrittsskeptiker und ebenfalls Hundefreund hat alle seine Pudel nach der Weltseele „Atman“ benannt und kommt in seiner Ethik zu folgenden Schluss. „Mitleid mit den Tieren hängt mit der Güte des Charakters so genau zusammen, daß man zuversichtlich behaupten darf, wer gegen Tiere grausam ist, könne kein guter Mensch sein.“ Anna Weidenholzer ist ein guter Mensch. Nicht nur weil sie Mona liebt und Aram und Miko gut behandelt hat. Nicht weil sie Reiterhofgeschichten erfunden, oder Friedensgedichte geschrieben hat. Weswegen dann?  Weil sie, um bei Schopenhauer zu bleiben, „Das Prinzip aller Moral“ versucht zu leben zu befolgen, einzuhalten.

„Verletze niemanden, vielmehr hilf allen, soweit du kannst.“

Apropos Hilfe;

Baby, ein Husky rettete einem Neugeborenen in Taiwan das Leben. Der Säugling war in die Kloschüssel gefallen als die Mutter das Bewusstsein verlor. Barry, ein berühmter Lawinenhund hat über 40 Menschen das Leben gerettet. ER starb 1814, wurde zum Dank ausgestopft und ist heute noch in einer Vitrine am Eingang des „Naturhistorischen Museums der Bürgergemeinde Bern“ zu sehen.  Auch ein Platz für einen Hund.

Apropos Platz;

Greyfriars Bobby, ein Terrier. Wurde durch außerordentliche Treue zu seinem Herrchen bekannt. Der Hund Bobby gehörte dem Polizisten John Gray. Als sein Herrchen starb verbrachte Bobby 14 Jahre lang an seinem Grab in der Edinburgher Altstadt. Diese Geschichte wurde sogar verfilmt: „Greyfriars Bobby – Die wahre Geschichte eines Hundes“. Auch in einem Lassie-Film wird diese Geschichte verarbeitet.

Apropos Witz;

In Hollywood heißen die Hunde Lessie, in Bollywood Lassi.

Nun aber zurück zu des Pudels Kern – Dieser Ausdruck stammt übrigens aus Goethes Drama  – Faust.  Mephistopheles erscheint darin Faust in der Gestalt eines Pudels. Als er sein wahres Wesen offenbart, kommentiert Faust: „Das also war des Pudels Kern!“. Den wahren Gehalt, den inneren Kern in Anna Weidenholzers erstem Buch „Der Platz des Hundes“ zu ergründen ist ab heute möglich, sie müssen das Buch nur kaufen, und/oder zu Annas Lesungen kommen. Sie brauchen dazu keinen Border-Collie-Rüden namens Rico. Rico kann 250 verschieden benannte Gegenstände auf Zuruf unterscheiden. Renommierte Fachzeitschriften wie die „Science“ berichteten schon über diesen Hund, seine Fähigkeiten waren schon Gegenstände wissenschaftlicher Untersuchungen. Man sagt, er kann Bücher so lange anstarren bis sie ihr Geheimnis preisgeben.

Apropos Geheimnis,

eines wurde heute gelüftet, Arthur Schopenhauer der Pudelmann war Einzelgänger. In Frankfurt galt der Gelehrte nach Einschätzung von Chronisten als „verkannter Niemand“. Anna Weidenholzer hingegen gilt uns bereits jetzt als „erkannter Jemand“ mit einem Platz für einen Hund namens Mona.

chris müller

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