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07.10.
2010

Ein Stück von Franzobel
über das Bier, die Liebe, Raketen und ein KZ

1943 bezieht die SS im verschlafenen Bierbrauerdorf Redl-Zipf Position und beginnt am Brauereigelände und in der Umgebung mit der Errichtung eines Außenlagers des Konzentrationslagers Mauthausen. Zipf wird einer jener Orte, an denen dem längst verlorenen Krieg doch noch der „Endsieg“ des nationalsozialistischen deutschen Reiches erwachsen soll.

2.500 KZ Häftlinge graben unter grausamsten Bedingungen ein Stollen- und Bunkersystem in den Hausrucker Boden. Darin soll u. a. eine Filiale der organisierten NS-Falschgeldproduktion „Kommando Bernhard“ Platz finden. Hauptsächlich dienen die Stollen jedoch als bombensichere Behausung für Teile der V2-Raketenproduktion. Zahlreiche Häftlinge sterben bei den hochgefährlichen Triebwerkstests, erliegen den Arbeitsstrapazen, oder werden von SS-Schergen ermordet.

Franzobels Stück „Z!PF oder Die dunkle Seite des Mondes“ greift anhand von Zeitzeugenberichten die Schicksale der Opfer und die ambivalenten Verhaltensweisen der einheimischen Bevölkerung auf und verdichtet das Material zu einem packenden Theatertext. Dieser bringt zwar historisch
verbürgtes Personal auf die Bühne, betreibt aber keine historische „Nacherzählung“. Stattdessen zieht der Text eine gleichsam metaphysische Ebene ein, arbeitet mit assoziativen Bildern, traum und albtraumartigen Figuren und Szenen. „Z!PF“ ist ein Stück über die aberwitzigen und mörderischen Auswüchse des menschlichen Denkens und Handels, aber auch ein Stück über berührende, komische ja sogar groteske Situationen inmitten des Grauens während eines Abschnitts österreichischer Regionalgeschichte.

Text: Franzobel
Regie: Georg Schmiedleitner
Mit Martin Semmelrogge, Julia Cencig, Alexander Strobele und Franz Froschauer sowie 100 LaienakteurInnen aus der Region
Bühne: Stefan Brandtmayr und Studierende der Kunstuniversität Linz
Maske und Kostüme: Cornelia Kraske
Musik: Rupert Schusterbauer, Bergknappenkapelle Kohlgrube und MusikerInnen aus der Region
Intendanz: Chris Müller
Kaufmännische Direktion: Roland König

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