02 Dez. Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Künstler:innen, Kulturschaffende und Kreative. Werte Kolleg:innen, liebes Cape10 Team, werter Freund Freddy Meryn.
Geografie ist Schicksal.
Die Erde scheint am Wendepunkt: Gefühlt halten sich Hoffnung und Resignation, Menschheitsversagen und Menschheitsversprechen, Freiheit und Knechtschaft gerade noch die Waage. Auf Pandemien folgen Finanzkrisen, Vertrauenskrisen und ein Krisenklima…..Despoten und ihre Heerscharen verwandeln aktuell die Welt in ein Menschenschlachthaus. Die Demarkationslinien der Drangsalierung verlaufen für alle Welt sichtbar, etwa zwischen Russland und der Ukraine, Afrika und Europa, Asien und Amerika.
Im Weltmaßstab sind Gemetzel, Grenzverletzungen oder soziale Verwerfungen deutlich und klar erkennbar. Vor der eigenen Haustür, im heimischen Park, im nahen Grätzl, in der eigenen Stadt oder der Nachbarschaft verschwimmen sie in Unkenntlichkeit.
Armutsfallen, Chancenlosigkeit, Verwahrlosung, Ausgrenzung und Ungleichheit verkriechen sich in Statistiken und in die eiskalten Wohnungen von 1,5 Millionen Österreicher:innen. Es wird wieder Winter!
So viele Menschen leben in Armutsgefährdung. Das ist jeder Fünfte. Am schwersten trifft es Kinder – 368.000 sind betroffen. Das ist mehr als Favoriten Einwohner:innen hat – das wären 207.000. Linz, meine neue Heimat, hat 206.000.
Stellen wir uns vor, eine Stadt wie Linz allein mit Kindern als Bewohner:innen lebt also in feuchten und teilweise schimmligen Zimmern, hat Hunger und weniger Möglichkeit auf ein gesundes Leben – ein sorgenfreies, ein chancenreiches Leben.
Um diese verschleierte Stadt der Schande mit seinen anonymen Armen zu sehen, muss sie erst sichtbar gemacht werden. Da hilft der ureigenste Instinkt der Kunst – Detektor für Dürftigkeit.
Kultur und Kunst erspürt und ergründet das Unbewusste, das Ungesehene, das Ungehörte und Unberührte. Das Material für Bilder, Filme, Fotografien, Games, Texte, Assemblagen, Ausstellungen, Inszenierungen, Interventionen, Skulpturen, Plastiken, Installationen, Tänze, Theater- und Musikstücke ist nichts weniger als das Unbegreifliche. Kultur und Kunst erkundigt sich nach Grenzgänger:innen und flaniert mit ihnen in Michel Foucaults Reich der Heterotopien.
Die Antwort der Kunst bleibt die Frage.
Es ist daher im Verständnis von Cape10 unumgänglich, zwingend und folgerichtig, Auseinandersetzungen über die Kunst zu führen, auf Kunst zu hoffen und Kulturschaffenden einen dauerhaften, permanent geöffneten Hafen zu bieten.
Cape10, das Haus der sozialen Innovation und der Zukunft, ist ein Rettungsort für humane Havarien, ein Leuchtturm für Gestrandete der Gesellschaft und die Kunst ein strahlendes Sankt-Elms-Feuer. Eine Lichterscheinung, die Anliegen, Wirken und Werden dieses Hauses in jede Pore der Stadt einzuleuchten vermag, hervorgerufen durch aufreibende elektrische Ladungen in unserer gesellschaftlichen Mitte.
Kein SCHEINwerfer, Cape10 verfügt über einen SEINwerfer und zeigt, was Sache ist, wie es sein soll oder was nicht sein darf. Etwa, dass die Armutsgefährdung in Österreich – mit all ihren hässlichen Begleiterscheinungen – alleine im letzten Jahr nochmals um 18.000 Kinder angewachsen ist. Sie starten mit einer verkürzten Lebenserwartung von 10 Jahren. 10 Jahre weniger Sein.
Glück auf!
Als Entrepreneur, Entwickler von Zukunftsbranchen und Spross einer Bergarbeiterdynastie kann ich sagen: Noch zählen Seltene Erden zu den begehrtesten Rohstoffen der Welt, bald aber wird die Förderung von Kreativität und die Gewinnung von Innovationen über Erfolg oder Misserfolg von ganzen Gesellschaften entscheiden. Über Krieg und Frieden, Wohlstand und Prosperität.
Das Grubengold der Zukunft besteht aus gesellschaftlichen Grundstoffen, die für eine stetige Erneuerung der Zivilisation und Frieden unerlässlich sind. Schätze, die als Erkenntnisse, Utopien oder Visionen gehandelt werden und nicht fossil sind.
Werte, die durch Kunst, Kultur, Forschung oder Bildung entstehen und sich durch Förderung vermehren. Es braucht daher Orte, wie Cape10, und Menschen, wie euch, die Kreativität fördern, die Fantasie anregen, Forschung als Rohstoff begreifen und neue Vernetzung schaffen. So werden Prototypen gewonnen – soziale, technologische, politische und gesellschaftliche. So entstehen magische Orte, in denen sich die Zukunft vergegenwärtigt und entscheidet. Orte, die ewig werden und niemals sind.
Zukunft gleich hinter der Gegenwart.
Cape10 sowie der Tabakfabrik Linz geht es auch um Nachhaltigkeit, vielmehr aber um Vorhaltigkeit. Es sind Räume notwendig, die wie eine pralle Vorratskammer gefüllt werden wollen mit radikalem Gut, Perspektiven, Fragen, Fragmenten und Prototypen. Ein Stau- und Schauraum für Krempel, Kunst und Kollaboration, der uns bei gesellschaftlichem Bedarf speist, um so das geöffnete Fenster der Gelegenheit und Notwendigkeit, the window of opportunity, zu nutzen.
Liebe Anwesende,
die Akteur:innen dieser neuen Kreativen Klasse gehen auf Wanderschaft, Walz oder Tippelei und schaffen so auch neue geistige Infrastrukturen – mit eigener Sprache und eigenen Zeichen. Ein Vorgang, den wir von einigen Kunst- und Handwerksgilden der Geschichte kennen, sie aber nun als digitale Nomaden klassifizieren.
Innovationsnetzwerke entstehen nicht zufällig, sie müssen geknüpft und gepflegt werden. Deshalb haben wir von der Tabakfabrik Linz gemeinsam mit Cape10 begonnen, entlang der Westbahnstrecke Hubs mit unterschiedlichen Schwerpunkten zu entwickeln, die sich mit der Kraft der Kunst und Kreativwirtschaft wie ein pulsierendes Band durch Österreich ziehen. Von Innsbruck über Linz nach Wien. Angeknüpft an Salzburg, Attnang-Puchheim, Wels, St. Pölten und Tullnerfeld kombinierbar mit drei Flughäfen.
Das Ticket ist gebucht, die Verbindung und der Preis stehen fest: Die Tabakfabrik Linz vergibt beim heurigen Cape10 Art-Contest 3 x 1en Ateliersplatz für Künstler:innen zur kostenlosen Nutzung bis Ende des Jahres. Und dies im neu geschaffenen ART-Magazin der fabelhaften Fabrik. Wir haben zwar kein Sankt-Elms-Feuer, aber unser Slogan „Light my fire“ ist uns ebenfalls heilig.
Mittlerweile arbeiten 3000 Menschen aus den kreativen Industrien an zündenden Ideen statt an rauchenden Zigaretten und befeuern so die Tabakfabrik Linz in ihrer Produktivität. In 3 Jahren werden wir 5000 Schaffende sein. Die Tabakfabrik verfügt über ein Erkenntnis- und Produktionssystem aus Kunst, Forschung, Wissenschaft, Philosophie, Ethik, Kreativwirtschaft, Handwerk, Bildung und Diskurs. Über Partner:Innen wie Cape10 und als liquide Verbindung den Digitalen Humanismus.
Die Kunst hat dabei einen großen Stellenwert – im ART MAGAZIN ist sie nun auch in all ihren Ausprägungen erlebbar. Deshalb werden wir hier ein dauerhaftes Cape10 Atelier einrichten und euch somit stetig und herzlich willkommen heißen.
Die perfekte Welle.
Nach der ‚Theorie der langen Wellen‘ des sowjetischen Wirtschaftswissenschafters Nikolai Kondratjew folgt auf den Zyklus von Computer, IT und Kommunikationstechnologie eine lange Welle, in der die Gesundheit und damit verbundene Märkte und Menschen im Zentrum stehen. Von der Verbindung zu CAPE 10, das als Haus der sozialen Innovation einen Gesundheitsschwerpunkt hat, werden sowohl die Tabakfabrik und ihre MieterInnen durch Austausch und Vernetzung profitieren als auch jene, für die dieses Haus errichtet worden ist.
Notwendigerweise muss gesellschaftsrelevante Hilfe auch digital gerüstet sein.
Prof. Meryn und sein Team, hat auch hier holistisch vorgedacht und schließt die Anliegen des Digitalen Humanismus mit ein, Technologien menschenzentriert anzuwenden. Werden doch auf Blogs, Foren und in Internetblasen Mittellose, Andersdenkende und Fremde durch Worte verbrannt, zerhackt, vergewaltigt, erhängt, ertränkt bedroht sowie verlacht und angegriffen. Auch um diese Verwundeten kümmert sich das Team von Cape10. Auch von diesen Bedrängten und Aggressiven, von den Gemobbten und Ge-Liketen erzählt die Literatur und Kunst in diesem Haus.
Freunde der Schaffenskraft,
Apps, Algorithmen und Programme sind wie Hammer, Meißel, Pinsel, Kamera, Stemmeisen oder Winkelmaß und Zirkel – nur unsichtbar, programmiert, künstlich intelligent und automatisiert. Aber die Frage, wie und für welchen Zweck wir diese Werkzeuge einsetzen, ist eine uralte und entscheidende.
Derzeit herrschen jedenfalls diametral entgegengesetzte Vorstellungen, die wir mit einer allumfassenden Digitalisierung verbinden. Erstere, die euphorische Vision, wird vorwiegend von US-Tech-Firmen verbreitet und verspricht eine Zukunft, in der wir uns nur noch zurücklehnen und intelligente Systeme für uns entscheiden lassen müssen.
Auf der anderen Seite beschwört die apokalyptische Vision eine digitale Diktatur herauf, in der Menschen konzern- und computergesteuert jegliche Privatsphäre und Selbstbestimmung verlieren und Maschinen die Allmacht übernehmen.
Beiden Sichtweisen gemein ist jedenfalls die Passivität des Menschen und das Gefühl, dem Schicksal mit Verheißungen und Bedrohungen ausgeliefert zu sein. Klar ist, je mehr die Grenzen zwischen Menschen und Maschinen verschwimmen, desto lauter wird der Ruf nach einer digitalen Aufklärung, nach digitalen Werten werden.
Die Digitalisierung dient einem Epochenumbruch als Werkzeug und Schmiermittel. Es ist eine technische Revolution, die unsere Art zu leben, zu arbeiten und miteinander umzugehen grundlegend verändernd. In ihrem Ausmaß, ihrer Reichweite und ihrer Komplexität wird es sich bei dieser Transformation um eine noch nie erlebte Erfahrung handeln.
Wir wissen noch nicht, wie sie sich genau entfalten wird, aber eines ist klar: die Antwort darauf ist allumfassend und konzertiert, alle Stakeholder des globalen Gemeinwesens, vom öffentlichen über den privaten Sektor bis hin zur akademischen Welt und der Zivilgesellschaft, sind, einbezogen. Und auch der unsichtbare Sektor der Verdrängten wird immer stärker davon betroffen sein.
Fakt ist auch, die Firmen aus dem Silicon Valley sind bereits jetzt mächtiger als etwa das römische, das mongolische und das Reich der Habsburger zusammen.
Die Konturen dieses Imperiums sind virtuell, ihre Macht aber real. Sie herrschen über ein Volk, das momentan 5 Milliarden Menschen mit Internetzugang zählt und ständig wächst. Schon jetzt haben sie die Deutungshoheit über die Wahrheit inne. Schon jetzt kämpfen an vielen Fronten Armeen von Trollen, die demokratische Wahlen beeinflussen, Existenzen und Karrieren durch Deep Fakes zerstören.
Zerbrochene, auf die Cape10 vorbereitet sein will und muss. Auch um diese Bemühungen dauerhaft, nachhaltig und an einem konkreten Ort umsetzen zu können, entstand CAPE 10 – das Haus der Zukunft und sozialen Innovation.
Werte Sponsoring-Partner,
Cape10 ist ein aus Stahlbeton, Holz, Liebe, Leidenschaft und Wagemut geformter Leuchtturm. Eine Soziale Plastik im Sinne Joseph Beuys, um den Trinkern und Ertrinkenden unserer Gesellschaft ein Zeichen zu offenbaren und um jenen mit zerrissenen Leibern und verwundeten Seelen, mit fehlenden Gliedern und verlorener Hoffnung, den Fragmentierten und Zerbrechlichen, jenen am Abgrund, den Versinkenden und Taumelnden zu Hilfe kommen.
Ich frage sie, in welchen Farben wollen wir die Zukunft malen? Verfallen wir den Aposteln der Apokalypse, die die Diktatur der Maschinen und den dritten Weltkrieg vorhersagen, den Ökopessimisten, die uns sagen, dass alles bereits zu spät ist, oder hören wir den Aufruf von Prof. Meryn: Einzustehen für jene, die überhört, übergangen, vergessen werden!
Sehr geehrte Zuhörer:innen,
ich persönlich denke, es ist zu spät, ein Pessimist zu sein. Schon meine Vorfahren unter Tage wussten: Unter Druck werden Diamanten geboren!
Das utopische Denken wurde schon oft beerdigt. Die Nachrufe waren noch jedes Mal verfrüht. Solange es Menschen gibt, die eine Gesellschaft ohne Gewalt, Ungerechtigkeit, Arbeitsfron und Naturzerstörung für möglich halten und sich aufgrund der Diskrepanz zwischen dem Wirklichen und dem Möglichen empören, werden sie Utopien ausmalen und verwirklichen.
Also, Idealvorstellungen umsetzen wie Cape10, das Haus der Zukunft und sozialen Innovation und seiner Mission einer Gesellschaft, frei von Mangel und Furcht!