Horizont Steyr: Interesse an einer Einzelhaft ist groß

STEYR. Aus einem Cölestinerinnen-Kloster und späteren Gefängnis soll eine Heimat für Start-ups werden, sagt Visionär Chris Müller.

Der Weg wird zwar noch ein weiter sein, das Interesse an diesem die Entwicklung Steyrs wohl mitprägenden Projekt ist allerdings schon jetzt enorm: Montagabend lud die Stadt zu einem Kennenlernen der „Zukunftsvision Horizont Steyr“, des künftigen Start-up-Zentrums zwischen Berggasse und Promenade in den ehemaligen Räumlichkeiten des Gefängnisses, des Polizei-Anhaltezentrums und der Klosterschule. 180 Interessierte, potenzielle künftige Mieter ebenso wie neugierige Steyrer, waren dieser Einladung gefolgt.

„Es bewegt mich, wie groß das Interesse an diesem Projekt ist“, sagte Bürgermeister Markus Vogl im Anschluss beim Gedankenaustausch im Alten Theater. „In der Region steckt viel Kraft. Ich fühle eine Aufbruchstimmung.“ Horizont sei ein Leuchtturmprojekt, der Beginn einer Zeitenwende: „Wir sind überzeugt, hier das Richtige zu tun.“
Bis zum Jahr 2028, so das ehrgeizige Ziel, soll hier eine rund 13 Millionen Euro teure Frischzellenkur vollzogen werden, um Platz für Start-ups sowie junge technologieorientierte und wissensbasierte Unternehmen zu schaffen. Mastermind hinter diesem Umbau ist Chris Müller, Gründungsdirektor der Tabakfabrik Linz, Nestroy-Preisträger, CEO der CMb.industries GmbH und begnadeter Geschichtenerzähler. Steyr sei besonders und eine Stadt der Resilienz, sagt Müller, der diesem Ensemble ähnliches Potenzial wie der Tabakfabrik, nur in kleinerem Maßstab, bescheinigt. Hier geschehe eine Zellerneuerung, betonte er in Anspielung auf die einstige Verwendung als Gefängnis: „Aber ich bin mir sicher, dass heute noch einige Personen einen Letter of Interest als künftige Mieter unterschreiben werden, sonst zahle ich eine Kiste Bier.“ Um es vorwegzunehmen: Müller musste keine Kiste Bier organisieren.
„Dieses Objekt begeistert ganz einfach. Es hat eine einzigartige Atmosphäre“, erklärt Stadtchef Vogl: „Am Ende dieses Abends haben wir elf unterschriebene Absichtserklärungen eingesammelt.“ Zudem gebe es im Umfeld von Horizont Steyr bereits zahlreiche Synergien, teils mit Weltmarktführern in ihrem Bereich, zu nutzen.

Bereits elf potenzielle Mieter
Ein potenzieller künftiger Mieter ist Manfred Haiberger, der mit seiner Firma Haratech unter anderem bereits in der Tabakfabrik tätig ist. Man habe auch dort einiges an Vorstellungskraft benötigt, um sich bezüglich der Chancen ein Bild zu machen, ähnlich wie auch hier: „Aber ich habe daran geglaubt“, sagt der Unternehmer: „Horizont könnte für uns ein Innovationshub für die Entwicklung einer smarten 3D-Druck-Fabrik werden.“

Auch der bekannte Steyrer Berater und Netzwerker Christoph Jungwirth sieht seine künftige berufliche Basis bereits hinter ehemaligen Kloster- und Gefängnismauern: Hier würden sich neue Anknüpfungspunkte ergeben. Und ein Jungunternehmer aus der Umweltbranche präzisierte: „Ich habe großes Interesse an einer Einzelhaft mit Option auf Mitbewohner.“

Die vorläufigen Preise für ein „Einzelhaft“-Büro mit einer Größe von 10,3 bis 15 Quadratmeter sind bereits fixiert: 280 bis 420 Euro pro Monat. Gemeinschaftszellen für vier und mehr Mitarbeiter sind bis zu 51,5 Quadratmeter groß. Dafür sind mehr als 1000 Euro im Monat fällig. Bis Sommer soll die Basis für den Start der Horizont-Detailplanung geschaffen sein, sagt Vogl.

„Die Wiedergeburt von Brownfields liegt im Tod der Ursprungsfunktion.“ Chris Müller, der Gründungsdirektor der Tabakfabrik Linz sieht großes Potenzial in einer Frischzellenkultur für die alten Gefängnisgänge an der Berggasse (Anm.: Als Brownfields werden industriebrachen und verbaute, aber ungenutzte Areale bezeichnet).

Der Bericht stammt von Gerald Winterleitner in OÖNachrichten/Steyr vom Mi, 25.02.2026
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Bild: (c) Tobias Zachl