Rampen­dunkelheit.

Megatrends und Gegentrends waren die Themen in der Salzburg AG, gehostet von MOONCITY und der Porsche Holding. 

Am 02./03.April 2025 ging es um das Thema „SO GEHT ZUKUNFT!“ und transformative Trends. Ein interaktiver Erfahrungsaustausch von rund 60 Personen (Corporate Innovation Manager aus unterschiedlichen Branchen) in diversen Salzburger Schauplätzen.

SO GEHT ZUKUNFT 2025 – inno.x.network

Nichts verbreitet so viel Finsternis wie die Suchscheinwerfer dieser Welt.
Was ihr Strahl nicht trifft, tauchen sie in dunkle Bedeutungslosigkeit. Wir sehen jene und jenes im Rampenlicht, nicht dies und das im Rampendunkel. Das gilt für Stars und Sternchen hier auf Erden als auch für die Himmelskörper hoch am Firmament. Dunkelheit kann man nicht sehen. Sie ist. Hingegen erblicken und folgen wir den Sternen, obwohl sie seit Millionen Jahren nicht mehr existieren. Ein Planetar-paradoxer-Phantomschmerz als Sinnbild und Kompass für Gesellschaft und Industrie.

Wie die ersten Fabriksschiffe der Walfänger navigieren wir seit jeher mit erloschenem Gestirn und kreuzen über die Weltmeere der Möglichkeiten um Trends wie Wale zu jagen, zu harpunieren, um sie an Board auszuschlachten, in kommerziell saftige Filets zu teilen, sie schön zu Etikettieren, nahrhaft zu bewerben, das Öl zu verkochen, um damit die Welt vermeintlich zu erhellen und aus dem Gerippe neue Anhänger zu schnitzen.

Während dieses industriell-produktive Gemetzel an Board von statten geht, sitzen Trendscouts hoch oben über dem blutigen Deck im Krähennest – zum Ausguck – bereit. Bereit für die gut sichtbaren Walgruppen, auch Schulen bezeichnet, die meistens aus 10 bis 50 Tieren, zu bestimmten Gelegenheiten jedoch auch weit über 1000 Tiere umfassen. Auch Vergesellschaftung mit anderen Walarten ist dabei möglich, Trend und Trend gesellt sich gern.

Vermeintlich leichte, oberflächliche Beute am Horizont, volle Trend-Fässer im Laderaum. Segel setzen, Suchscheinwerfer an, jetzt erst recht der Flotte folgen und nicht der Abweichung, der Abschweifung, der Abbiegung, der Devianz. An die Riemen, in die Fangboote. Fokus! Effizienz. Die Harpunen sind für den Profit geschärft. Für die Marschen gewetzt. Alle Teams sind bereit für die goldene Dublone am Hauptmast.

Dann lachen die Möwen und ein Geist aus der Tiefe greift unvermittelt an. Der Blas, eine Nebelfontäne, aus ausgestoßener Wal-Luft ist zu vernehmen.

Aus vollen Kehlen ertönt nun endlich der mahnende Ruf „Gegentrend, Gegentrend – Da bläst er!“ Zu spät. Die Reeder des Schiffes inklusive der Männer und Frauen an Board hatten nur die Aufwärts-, Abwärts-, Horizontal-, Kurzzeit-, Langzeit- und Saisontrends im Auge.

Nun aber ist ist jedem klar: Dieser vernarbte und mit verbogenen Lanzen gespickte Buckel aus dem Windschatten der Geschichte ist kein Schneeberg, es ist es ist der weiße Wal Moby Dick. Er wird nicht fliehen, er kommt wütend auf uns zu, um uns mit voller Wucht zu rammen, sich zu rächen und unseren Vertrieb, mit all seinen Hoffnungen und Versäumnissen ins Verderben zu reißen.

Und nur einer wird, wie vom wahnsinnigen Elijah prophezeit, überleben.

Meine Damen und Herren,
als Menetekel ist Hermann Melvilles Großroman Moby Dick gedacht, als Abgesang einer versinkenden und brutalen Industrie, durch die Amerika erleuchtet wurde aber die Disruption in der Schattenseite zu finden war. Eine Metapher für die völlige Ausreizung eines Trends und das nicht wahrhaben wollen einer Veränderungskraft aus uneinsehbarer Tiefe.

Die Jagd auf den weißen Wal ist also nicht nur der Kampf eines Kapitäns namens Ahab gegen einen Leviatan, gegen das Böse und gegen das Schicksal. Es geht auch um die menschliche Gier nach Profit, um exzessiven Kapitalismus, die Plünderung natürlicher Ressourcen und unsere vermeintliche Alternativlosigkeit zu sogenannten Megatrends.

Wie bei der Frage die stets den Singular impliziert. Was ist der Sinn des Lebens?
Als pluraler Gegentrend sollte sich durchsetzen, dass es Sinne des Lebens gibt.

Megatrends jedenfalls führen uns in eine Meerenge und nicht hinaus auf den schier unendlichen Ozean. Megatrends lassen uns irgendwann erschöpft stranden, treiben uns in die digitalen Schleppnetze der MS „Vierte industrielle Revolution“.

Immer schneller verheddern wir uns in absoluter Abhängigkeit Broligacher -Technologien und ihrem politischen Wollen. Musk, Musk – Da bläst er!

Es ist eine technische Revolution gepaart mit einem politischen Putsch, die unsere Art zu leben, zu arbeiten und miteinander umzugehen grundlegend verändert. In ihrem Ausmaß, ihrer Reichweite und ihrer Komplexität wird es sich bei dieser Transformation um eine noch nie erlebte Erfahrung handeln.

Wir wissen noch nicht, wie sie sich genau entfalten wird, aber eines ist klar: die Antwort darauf ist allumfassend und konzertiert, alle Stakeholder des globalen Gemeinwesens, vom öffentlichen über den privaten Sektor bis hin zur akademischen Welt und der Zivilgesellschaft sind einbezogen.

Denn, wie wir täglich besser erkennen, gibt es einen Zusammenhang zwischen den technologischen Umwälzungen, den Wirtschafts- und Finanzkrisen, des Vormarschs des Populismus, des Rückzugs der Demokratie und den Angriff von Menschenfeinden.

Fakt ist, die Firmen aus den diversen Tech-Valleys sind bereits jetzt mächtiger als etwa das römische und das mongolische Reich zusammen. Die Konturen dieses Imperiums sind virtuell, ihre Macht aber real. Sie beherrschen ein Volk, das momentan 5,5 Mrd. Menschen zählt und stetig wächst. Schon jetzt haben sie die Deutungshoheit über ihre Wahrheit inne. Schon jetzt werden alternative Realitäten erschaffen.

Zwischen 2000 und 2022 stieg die weltweite Internetnutzung um 1.355 Prozent.
Lag die globale Datenmenge im Jahr 2017 noch bei 26 Zettabyte, waren es fünf Jahre später schon 104 ZB. Ein Zettabyte sind eine Milliarde Terabyte.
Nach einer Schätzung der International Data Corporation wird das digitale Datenvolumen bis 2027 auf 284 Zettabyte steigen.
Die Harpunen sind für den Profit geschärft. Für die Marschen gewetzt. Alle Teams sind bereit für die goldene Dublone am Hauptmast!

Die Antwort der Menschheit ist die Frage. Deshalb frage ich uns zu folgenden Trends:

Was, wenn die Geschichte kein Ende kennt, nur Anfänge und Wandlung?
Wie wird sich die Menschheit bewähren am Vorabend des Transhumanismus?
Wie, wird sich die globale Gesellschaft gleich hinter der Gegenwart entwickeln, wenn wir uns einer monotheistischen Technologie wie der Künstlichen Intelligenz zuwenden?
Was, wenn wir, Technologie in Theologie wandeln, wie Wein zu Wasser?
Und Trinität zu Digitalität?

Wie werden wir handeln, wenn das Internet die Welt nicht mehr verbindet sondern neue Demarkationslinien offenbart und uns neue Grenzen setzt?

Meine Damen und Herren,
lauschen wir gerade live dem Abgesang des Alten, dem Lobgesang des Neuen, dem Singen der Sirenen? Sind 75 Jahre Menschenrechte und Konventionen genug?
Dient Immanuel Kants philosophischer Entwurf Zum ewigen Frieden nur noch als Zeitungspapier von gestern in den man den Fischfang von heute einwickelt?

Gottfried Wilhelm Leibniz steigt für uns aufs Tempeldach und blickt in die Zeit: „Die Gegenwart ist schwanger mit dem Kommenden; die Zukunft ließe sich in der Vergangenheit lesen; das Ferne wird im Nahen ausgedrückt.“

Und nah, sehr nah, scheinen nun auch noch Infrastrukturen und Netzwerke, Automaten, Sensoren und Künstliche Intelligenzen zu sein, um die Vorherrschaft der Menschen zu brechen. Roboter wollen nicht mehr nur Roboti, nicht mehr nur arbeiten, sie wollen lernen! Sie könnten uns das Denken, die Kreativität, die Muse und die Freiheit nehmen.

Winkt also die Singularität wie der tote Kapitän Ahab, festgebunden am weißen Wal, um uns in die Tiefe zu locken?

Die Singularität, also jener Zeitpunkt, an dem künstliche Intelligenz die Menschliche übertrifft, sich dadurch rasant selbst verbessert, den technischen Fortschritt irreversibel beschleunigt und somit die Zukunft der Menschheit vorhersehbar ist. Winkt sie?

Halten sich Schrecken und Potenziale noch die Waage?
Ist die Technologie eine Selbstverfluchung?
Jedenfalls haben uns die Maschinen weder den assertorischen Wahrheitseid noch den promissorischen Gelöbniseid geleistet. Sollte sich die Technologie also gegen die Menschheit wenden, werden wir sie nicht dafür belangen können.

Meine Damen und Herren,
derzeit herrschen jedenfalls diametral entgegengesetzte Trends, die wir mit einer allumfassenden Technifizierung verbinden.

Erstere, die euphorische Vision, wird vorwiegend von US-Firmen verbreitet und verspricht eine Zukunft, in der wir uns nur noch zurücklehnen und intelligente Systeme für uns entscheiden lassen müssen. Auf der anderen Seite beschwört die apokalyptische Vision eine digitale Diktatur herauf, in der Menschen konzern- und computergesteuert jegliche Privatsphäre und Selbstbestimmung verlieren und Maschinen die Allmacht übernehmen.

Beiden Sichtweisen gemein ist jedenfalls die Passivität des Menschen und das Gefühl dem Schicksal mit Verheißungen und Bedrohungen ausgeliefert zu sein.

Meine Damen und Herren,
ja, die Trendwende der Welt sollte uns Sorgen. Kriege, Klimakrise, Hunger, religiöser Extremismus, Terrorismus, massive weltweite Migration und Vertrauenskrisen machen uns in einer überhitzten, nervösen und taumelnden Gesellschaft zu schaffen. Polykrisen sowie Verschwörungserzählungen als auch Digital-Despoten nagen sowohl am Fundament unserer Staatsgebäude als auch an unserer Psychischen Verfassung.

Werte Versammelte, Gratulation, wir haben heute den 3. April, den internationalen Tag der Arschkarte.
Die Wahl dieses Datums als Arschkartentag bezieht sich auf die Bundesliga-Partie des 27. Spieltags zwischen Eintracht Frankfurt und Eintracht Braunschweig am 3. April 1971.

In der 20. Minute des Spiels, das Frankfurt am Ende mit 5:2 gewann, zeigte der Bochumer Schiedsrichter Wilfried Hilker dem Frankfurter Spieler Friedel Lutz nach einem ein Revanchefoul gegen den Braunschweiger Jaro Deppe die Rote Karte.

Damit war die erste Rote Karte der Fußball-Bundesliga gezeigt.In diesem Kontext kursierte für lange Zeit auch die Behauptung, dass die Karten hauptsächlich für die TV-Zuschauer des Schwarz-Weiß-Fernsehens in unterschiedlichen Taschen des Schiedsrichters steckten.

Diese hätten ohne diese Aufteilung die Farbunterschiede zwischen Gelber und Roter Karte ansonsten nicht erkennen können. Wer rot bekam in Schwarz-weiß malender Zeit, war am Arsch. Analytisch scheint es also wichtig in aufgebrachter Zeit am richtigen Ort zu stecken und Handlungen neuer Ordnung vorzunehmen.
Aber wie diese finden? Und wie dort handeln? Eine Megatrend-Road-Map, die man mit einem Klick bequem downloaden kann, wird uns jedenfalls nicht ins Eldorado führen, denn wie Hermann Melville weiße anmerkt „Sie sind auf keiner Karte verzeichnet. Die wahren Orte sind das nie.“
Wo aber Möwen aufgeregt fliegen, lachend und kreischend weit draußen im Meer, da bilden sich unter ihnen große Kreise an der Wasseroberfläche. 

Wo Möwen sind, wird Moby Dick sein. Wo Wal ist, landen Möwen. Sie riechen Land, wo noch kein Land ist.

Beruflich, sehr geehrtes Publikum, wiederbelebe ich sogenannte Brownfields, also brachliegende Produktionsstätten, die ebenfalls die gesellschaftlich rote Karte gesehen haben, sich nun aber gegen den Trend zu Colourdfields wandeln. Wie etwa die Tabakfabrik in Linz, das Otto Wagner Areal in Wien oder das Horizont in Steyr.
Besondere Umstände benötigen unvergleichliche Räume. Wirkliche und wirksame Orte. Gegenplatzierungen, Widerlager zur Alltagswelt. Tatsächlich realisierte Utopien, in denen die existenten Plätze innerhalb der Kultur gleichzeitig repräsentiert, bestritten und gewendet sind. Gewissermaßen Orte außerhalb aller Orte.
Räume und Stätten die durch Überlagerung strenger, regelmäßiger Strukturen und Handlungen Erscheinungen auslösen. Magische Moiré-Effekte, die in der Unschärfe Neues erkennen lassen. Phänomene, die es vermögen, ähnlich einer modernen Morgana, flackernd und flimmernd zwischen Individuum und Kollektiv temporär ein hybrides WIR zu evozieren.

Michel Foucault, der einflussreiche französische Philosoph, Historiker, Soziologe und Denker des 20. Jahrhunderts würde diese Orte wohl als Heterotopien klassifizieren. Plätze zwischen Trend und Gegentrend. Räume inzwischen der Transformation.

Hier und heute Versammelte,
die Verwirklichung eines vorhaltigen Ortes, einem ‚Protopia‘, dass sich vom idealistisch Utopischen und dem verzweifelt Dystopischen durch seine zum Handeln anleitende proaktive Orientierung unterscheidet ist eine wichtige Titanen Aufgabe für uns alle.

Wir brauchen kein neues Mind, wir brauchen ein neues Set.

Ein Gegentrend zur fragmentierten Gesellschaft und zum vereinzelten Individuum. Gerade die Digitalisierung führt auch zu einer Renaissance der Räumlichkeit. Des Physischen und der Psychologie. Der Wiedergeburt des Haptischen, des Verstehens durch Begreifen, der Aufwertung von Symbolen, der Wichtigkeit von freier Rede und intensiven Zuhörens, dem Genuss von Exklusivität und der Hingabe zu Ritualen.

Werte KollegInnen,
das utopische Denken wurde schon oft beerdigt. Die Nachrufe waren noch jedes Mal verfrüht. Solange es Menschen gibt, die eine Gesellschaft ohne Gewalt, Ungerechtigkeit, Arbeitsfron und Naturzerstörung für möglich halten und sich aufgrund der Diskrepanz zwischen dem Wirklichen und dem Möglichen empören, werden sie Utopien ausmalen.

Achten Sie auf die Möwen und riechen Sie Land, wo noch kein Land ist!